Suchfunktion Home Inhaltsverzeichnis Ökosysteme, Gasteinertal
OUw - Ökosysteme/Umwelt: Variable Faktoren - Biotische Wechselwirkungen
Gasteinertal - Ökosysteme Ökosysteme
Umwelt
Ökosysteme
  • Boden
  • Klima
  • Radioaktivität
  • Strahlung

  • Biotope
  • Umwelt . Gasteinertal

    Biotische Wechselwirkungen

    Biotische Wechselwirkungen, allgemein als Interferenzen bezeichnet – können sich zwischen Individuen einer Population oder zwischen Individuen verschiedener Arten ergeben. Biotische Wechselwirkungen zwischen autotrophen Pflanzen reichen von Konkurrenz bis zur Kooperation, wobei Raumverdrängung und der Kampf ums Licht oder um Nährstoffe bzw. Wasser im Boden ebenso eine Rolle spielen wie Veränderungen des Klimas, chemische Wirkstoffe u. a.
    Zu den Beziehungen zwischen Heterotrophen und Pflanzen gehört die Allelopathie von Antibiotika produzierenden Actinomyceten und Pilzen gegenüber Bakterien und die Schutzwirkung von endophytischen Pilzen im Blattgewebe gegen Herbivore. Wichtig sind die Wechselwirkungen zwischen autotrophen Pflanzen und pilzlichen Symbionten in Flechten und bei Mykorrhiza als Kommensalen.

    Wechselwirkung zwischen Pflanze und Pilz

    Pilze können bestimmte Gehölzarten befallen und diese im Wachstum beeinträchtigen oder gar völlig eliminieren. Als Beispiel sind die europäische Feld-Ulme (Ulmus minor, Pilz Ophiostoma ulmi) und die östlich-nordamerikanische Castanea dentata (Pilz: Endothia parasitica, 1904 aus China eingeschleppt) bekannt.

    Chrysomyxa rhododendri
    Picea abies und Rhododendron spec.

    Im August 2009 hat sich im Gasteinertal unübersehbar der Fichtennadelblasenrost - Chrysomyxa rhododendri - ausgebreitet und alle Fichten oberhalb etwa 1.500 m bis 2.000 m Seeehöhe befallen, ohne diese aber wesentlich zu schädigen. Das gesamte Gasteinertal war betroffen, von Klammstein bis hinein in das Nassfeld. Lediglich das Korntauern- und das Reedseegebiet blieben überwiegend verschont.

    Fichtennadelblasenrost im Gasteinertal
    Graukogel
    Fichtennadelblasenrost
    Graukogel
    Fichtennadelblasenrost
    Haitzingalm
    Fichtennadelblasenrost
    Haitzingalm

    Der Fichtennadelblasenrost bzw. deren Sporen vermehren sich auf den Blättern der Alpenrosen Rhododendron ferrugineum und Rhododendron hirsutum, welche im Gasteinertal sehr häufig vorkommen. Diese überwintern, indem sie eine besondere Art von resistenten Sporen (Teleutosproen) bilden. Im Frühjahr nach der Schneeschmelze (Mai/Juni) reifen diese Sporen und bilden sich neue Sporen und produzieren nach ihrer Keimung Basidiosporen, welche nun die Fichtennadeln befallen. Auffallend gelb leuchtend verfärbte Nadeln sind dann das auffälligste Symptom, wobei je nach bevorzugter Windrichtung die Fichten mehr oder weniger befallen werden. Das Pilzgeflecht durchwächst die jungen Fichtennadeln und bildet orange-gelbe Pusteln, wo die Sporenbildung erfolgt (Aecidien). Die leeren Aecidien bleiben dann als weiße, leere Hüllen auf den Nadeln erhalten. Diese Aecidien befallen dann die Blätter der Alpenrose und bilden wieder Sporen (Uredosporen). diese infizieren immer wieder neue Alpenrosenblätter (Selbstinfektion).

    Fichtennadelblasenrost in Sportgastein
    Nassfeld
    Chrysomyxa rhododendri
    Fulseck
    Fichtennadelblasenrost, Fulseck
    Fulseck
    Fichtennadelblasenrost
    Fulseck

    Die offensichtliche Lebensgemeinschaft zwischen Pilz Chrysomyxa rhododendri und der Fichte Picea abies spricht für eine hohe gegenseitige Anpassung, wird aber auch insbesondere durch klimatische Einflüsse beeinflusst und reguliert. Die Dauer der liegenden Schneedecke, welche die Alpenrosen zur Gänze bedecken und sehr kalte Winter sind ungünstige Faktoren für den Pilz, die feuchte kühle Witterung im Frühling begünstigen hingegen die Fichte in Stoffwechsel und Abwehrkraft. Der lange Winter 2008/09 mit Schneeschmelze erst Ende Mai - Wiedneralm - schien diesmal die Fichte geschwächt zu haben, der Pilz hingegen war mit der Ausbreitung seiner Basidiosporen wohl optimal in der Zeit. Ob der Pilz durch Insekten oder anderen Pilzen dezimiert wird (Gallmücken etc.) ist für diese Spezies nicht bekannt.

    Wechselwirkung zwischen Pflanze und Tier

    Besonders vielfältig und ökologisch bedeutungsvoll sind die biotischen Wechselwirkungen zwischen Pflanze und Tieren. An erster Stelle sind hier die phytophagen bzw. herbivoren Tiere als Primärkonsumenten zu nennen. Dabei können entweder Insekten (Blattläuse, borkenkäfer), Schnecken oder Säugetiere (Kleinsäuger, Wiederkäuer) durch Fraß oder Saugen an vegetativen Organen, Blüten und vielfach auch Samen sehr beachtlichen Schaden anrichten. Der dadurch bedingte Selektionsdruck hat zur Ausbildung vielfältiger Abwehrmechanismen geführt (Dornen, Stacheln, Brennhaare, Kristallnadeln, Bitterstoffe etc.). Weidetiere schädigen durch Fraß vor allem den Jungwuchs von Holzpflanzen und fördern damit die regenerationskräftigen Gräser und Stauden des Grünlandes. Weitere Standortveränderungen ergeben sich durch Tritt (Bodenverdichtung, mechanische Schädigung) und Düngung. Als Folge nehmen vielfach vom Vieh gemiedene "Weideschädlinge" überhand, in Mitteleuropa z.B. Juniperus communis, Berberis vulgaris, Prunus spinosa, Carduus, Cirsium, Nardus stricta sowie Arten von Rumex, Ranunculus, Apiaceae etc. mit Giftstoffen.

    Wechselwirkung zwischen autotrophen Pflanzen

    Loiseleuria - Cetraria

    Der Teppichstrauch Loiseleuria ist an arktisch-alpinen Winddecken mit Strauchflechten der Gattung Cetraria (hier Cetraria islandica) und anderen Strauchflechten vergesellschaftet. Den Flechten bietet Loiseleuria eine feste Verankerung. Die aufragenden Thalli der Strauchflechte bieten andererseits dem Blätterteppich des Zwergstrauches Schutz vor den Wind, was dem Winddeckenstrauch kleinklimatisch sicherlich Vorteile bringt.
    Vorkommen in Gastein: Tennkogel, Schmalzscharte, Paarseen . . .

    Larix decidua - Vaccinium
    Keimlinge und Jungpflanzen sind im Konkurrenzkampf viel stärker gefährdet als etablierte Altpflanzen. Auf Rohböden oder auf Kahlstellen überleben die keimenden Samen der Lärche - Larix decidua - und/oder der Föhre - Pinus, nicht aber auf einer Moos- oder Zwergstrauchschicht. Hier ist nämlich das Lichtangebot viel zu gering (dichter Wuchs der Zwergstrauchheiden) und die Luftfeuchtigkeit derart hoch (ungünstiges Mikroklima), dass die Keime überwiegend dem Pilzbefall und Schneckenfraß zum Opfer fallen.

    Themen : Umwelt - Umwelt, Gasteinertal Home Inhaltsverzeichnis Ökosysteme im Gasteinertal - Umwelt : Boden


    Home Suche Inhaltsverzeichnis Animalia Planta Fungi Ausgangspunkte Ereignisse Mineralogie

    Ökosysteme/Umwelt - Biotische Wechselwirkungen
    © 5.1.2004 by Anton Ernst Lafenthaler
    o-ubiotwe