![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
Terrestrische Lebensräume im Gasteinertal |
||
| |||
Nach der Eiszeit gab es in Mitteleuropa keine Wiesen und Weiden mehr. Nur die alpinen Matten oberhalb der Baumgrenze im Gebirge und karge Felspartien waren baumfrei oder nur mit niedrigen Kräutern bewachsen. Ab 4500 v. Chr. betrieben die Menschen in Europa Ackerbau und Viehzucht. So wurde auch alles, was wir heute als Grünland (Überbegriff von Wiesen und Weiden) bezeichnen, zum Kulturgrünland. Feuchtwiesen, Halbtrockenrasen und Magerrasen sind also meistens keine Naturlandschaften, sondern typische Kultur- oder Halbkulturlandschaften, die nur aufgrund der fortlaufenden Nutzung in dieser Form erhalten bleiben, ansonsten werden diese Flächen wieder geschlossener Wald. In ländlichen Gegenden gibt es Halbtrockenrasen und Heiden als Überreste früherer Landnutzungsformen seit dem Mittelalter. Der Wald wurde dezimiert und Roggen, Hafer, Weizen und Gerste angebaut.
In den Inneralpen steigen die Halbtrockenrasen bis in beträchtliche Höhen hinauf. Auf trocken-warmen Hängen von der obersten Waldstufe bis in die subalpine Stufe kommen üppige, blütenreiche Halbtrockenrasen vor. Sie zeigen vielfältige Bindungen an die alpinen Blaugrasrasen mit Sesleria albicans sowie mit alpinen Trockenvegetationskomplexen.
Ein geschlossenes Waldland mit natürlichen waldfreien Standorten gibt es nicht mehr. Trockenstandorte gibt es aber selbst vor der eigenen Haustür. Zwischen Pflastersteinen sprießen trittfeste Trockenpflanzen wie Mastkraut, Liebesgras und Vogelknöterich. Aus den Fugen alter Gemäuer wächst die Mauerraute oder das Zimbelkraut (Mauerfugenpflanzen). Eisenbahndämme und Straßenböschungen, Steinbrüche und Kiesgruben sind oft die einzigen großflächigen Trockenstandorte in Ballungsgebieten mit Salbei und Esparsette, Königskerzen und Wegwarte, Rainfarn und Johanniskraut. Sie sind an Stressbedingungen wie Wassermangel, erhöhte Einstrahlung, Bodenverdichtung und mechanische Störungen gut angepasst.
An Felskörpern und steilen Felsabstürzen finden sich für die Xerothermvegetationskomplexe von Menschen unbeeinflusste Urlandschaften, die durch Zuwanderung von kontinentalen, submediterranen und dealpinen Geoelementen ein eigenes Artengefüge aufweisen. Dieser Komplex aus kontinentalen Trockenrasen, aus Staudenfluren, Gebüsche und Trockenwald wurde von Gradmann als Steppenheide bezeichnet. Der Begriff Steppe steht für natürliches Grasland in der temperaten und kontinentalen Zone Eurasiens. Der Begriff Heide ist eine mittelalterliche Rechtsbezeichnung für Allmenden (gemeinsam genutztes, nicht kultiviertes Land), wird heute aber für Zwergstrauchformationen gebraucht.
Hier sind vor allem die oft dealpinen, submontan bis montan verbreiteten Blaugras-Halbtrockenrasen mit Sesleria albicans gemeint. Sie weichen nur wenig von den planaren bis collinen Halbtrockenrasen ab. Buphthalmum salicifolium, Thesium bavarum, Rhinanthus glacialis und Phyteuma orbiculare differenzieren die montanen Magerrasen gut gegen die collinen Halbtrockenrasen. Blaugrashalden vom Typ des Polygalo amarae-Seslerietum albicantis finden sich an steilen Kalkfelsen und auf stark geneigten Kalkschotterhängen in oft treppenartigen, aus dem horstbildenden Blaugras aufgebauten Rasen. Es ist eine natürliche, sehr stabile Rasen-Reliktgesellschaft an natürlich waldfreien Standorten. Jedes inneralpine Talsystem ist durch eine eigene klimatisch bedingte und florengeschichtlich begründbare Einheit charakterisiert und jedes Tal besitzt eigene, spezifische Trockenrasenbiotope, die sich nach Abschmelzen der eiszeitlichen Gletscher zu verschiedenen Zeiten herausgebildet haben. Viele dieser inneralpinen Steppen sind anthropo-zoogen ausgweitet.
Die in Gastein vorkommenden Biotope der
Magerrasen und Trockenstandorte
Biotop-Typ T6 bzw. Land-Sbg 4.1
| Biotoptyp T 6.2 / Land-Sbg. 4.1 | |
| Der Biotoptyp Trocken- und Halbtrockenrasen beinhaltet Arten,
die als Überreste früherer Landnutzungsformen seit dem Mittelalter
übrig blieben, wo das Klima noch wärmer war als heute. Unter dem Einfluss
der Beweidung mit Haustieren, insbesondere Schafe und Ziegen entwickelte sich ganz
spezifische floristische Artenkombinationen. Das bunte Bild ist durch Standort,
Klima und Boden bedingt. Typisch für fast alle Weiderasen ist das Vorkommen
von Pflanzen, die wegen der Giftigkeit oder Bitterkeit, wegen Stacheln und Dornen
vom Vieh verschmäht werden. Diese Weide-Unkräuter breiten sich dadurch
stark aus. So sind auch bei uns Wacholder, Wildrosen, Disteln, Schwalbenwurz,
Feld-Mannstreu und Wilder Majoran Vertreter dieser Entwicklung.
Es bestehen Kontakte zu T 1.
Im Gasteinertal sind es die artenreichen, wechselfeuchten Magerstandorte mit dem Tieflandbürstlingrasen.
Biotoptyp: Magerrasen, Trocken und Halbtrockenrasen T6.2 (Haeupler & Garve 1983) - Trockene Rasen, Wiesen und Weiden 6.2 (Flora alpina 2004) - Mager- und Trockenstandorte 4.1 (Biotoptypenkatalog Sbg. 1994) |
|
Code 4121 |
Tieflandbürstlingrasen
BorstgrasrasenT6.2.2.5. - Nardetalia stricta Sie sind durch Beweidung entstanden und weisen eine charakteristische Artengarnitur auf. Namensgebende Art ist Nardus stricta, welches vom Weidevieh absolut verschmäht wird. . . . zur - Bilder-Galerie - Vorkommen in Gastein: siehe Biotopkartierung Salzburg - Code 4121 Bildnachweis © Anton Lafenthaler - Haberreith, Bad Hofgastein 2011 |
| Biotoptypen : Haeupler 1983 - | ![]() |
![]() |
![]() |
![]() |
- Biotoptypen : Land Sbg.1994 |
| Home | Suche | Inhaltsverzeichnis | Animalia | Planta | Fungi | Ausgangspunkte | Ereignisse | Mineralogie |
Biotoptypen Gasteins: Magerrasen (T6)
© 3.2.2005 by Anton Ernst Lafenthaler
ob-t6