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Kunst & Kultur | ||
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Überirdische Kräfte, gelenkt von nicht greifbaren Wesen werden vom Menschen immer als bedrohlich
empfunden und haben ihr Leben stark beeinflusst.
Zur Besänftigung der Geister und Dämonen, wurden Kostümierungen verwendet, um sich ihnen ähnlich zu
machen.
Der Südtiroler Hans Vintler beschrieb bereits 1486 die Frau Perchta mit der langen Nas’,
sowie teufel- und schnabelähnliche Gestalten. Sie sind wohl in weiten Teilen Europas verbreitet.
Zimburg schreibt: Die Naturverbundenheit der Bauern veranlasste ihn alle Naturereignisse, Missernten und
Unfruchtbarkeit der Tätigkeit unsichtbarer, übelwollender Mächte zuzuschreiben. Um diese von Familie, Haus,
Hof und Vieh fernzuhalten, herrschte allgemein der Glaube vor, das gewissen Masken die Kraft innewohne,
böse Dämonen zu vertreiben. So entstanden die schiachen Masken. Lärm und Glockengeläute sollen die Wirkung noch
verstärken. Die so verkleideten Perchten glaubten nun, nicht nur die äußere Gestalt der bösen Unholde angenommen
zu haben, sondern glaubten auch, dass dadurch auch die Verbindung mit den übermenschlichen Welt hergestellt sei,
sodass auch sie diese Kräfte besitzen. Diese Vorstellung erklärt das übermächtige Perchtentreiben.
In den Schönperchten und den diese begleitenden Kobolden hingegen sahen sie Glücksbringer und Fruchtbarkeitsspender,
deren Träger sich heute noch so fühlen.
Nach Gastein scheinen diese Bräuche von Südtirol über Nordtirol gekommen zu sein, wo nach der Vertreibung der Protestanten Tiroler und Bayern nach genauer Prüfung ihrer Gesinnung bzw. nach strenger Glaubensprüfung zu günstigen Bedingungen Bauernhöfe erwerben konnten und sich zahlreich ansiedelten. Die Umzugs- und Fassnachtgestalten wurden dabei von ihrer Heimat wohl ins Gasteinertal mitgenommen. Wieweit der Saumhandel über den Tauernpass die Perchtenfiguren mitgeprägt hat ist nicht bekannt, eine Beeinflussung diesbzgl. ist aber wohl anzunehmen.
Im Jahre 1730 wurde von Erzbischof Firmian erstmals ein Auftrittsverbot der Perchten in Gastein verfügt.
Erzbischof Hieronymus von Colloredo erneuerte 1787 dieses Verbot. Perchtenläufe wurde dann eben geheim und nur
mehr in den Nachtstunden abgehalten. Um einer Verhaftung zu entgehen, mussten die Perchten tatsächlich
"laufen", woher auch der Name "Perchtenlauf" stammen soll.
Erst nach dem Besuch von Kaiser Ferdinand im Jahre 1837, der von den Kostümen der Perchten
offensichtlich beeindruckt war, wurden diese aufgewertet.
Eine wirkliche Aufwertung aber fanden die Perchten erst durch die Brüder Grimm ab etwa 1850,
die mit ihrer germanischen Götter- und Sagenwelt die Perchten besonders hervorhoben.
Bis in die 20-er Jahre nahmen nur Perchtenläufer aus dem Kötschachtal, Kötschachdorf und Remsach teil.
Noch im Jahr 1944 waren es 58 Personen mit 8 Kappenträger, 1998 zählte man 137 Mitwirkende mit
30 Kappenträger im Zug.
Die Perchten sind die Personifikation der verschiedenen Eigenschaften von einer
mythischen Gottheit, der Domina Perchta.
Das Wesen der Frau Perchta entspricht einer schönen und einer hässlichen (schiachen)
und wird symbolisiert durch die Kleidung der Frau Perchta selbst und der
Schönperchten und Schiachperchten insgesamt.
Die Domina Perchta zeigt das Gute wie das Böse gleichzeitig in einer Person.
Eine Larve, geschnitzt von unserem Bildhauer Viehauser Sepp zeigt einerseits
ein gutmütiges Frauengesicht auf der einen Seite der Larve, auf der gegenüberliegenden
Seite jedoch ein Fratzengesicht.
Das plötzliche Umdrehen nach einem Handschlag zeigt blitzartig die Kehrseite der
Person und überrascht so den erst freundlich begrüßten. So soll das Gute und
Böse in einem symbolisiert werden.
Die Kleidung der Domina Perchta besteht auf der Seite des Bösen aus einem blauweiß
gemusterten Kittel mit angestückelten schwarzen Rock und verschiedenen
Stoffresten. Die schöne Seite besteht aus einem schwarzen, langärmligen Dirndlkleid,
dekoriert mit Goldkordeln.
Ebenso konträr zeigt sich der spitzkegelige Hut, der einerseits aus
rotem Filz besteht und mit Strohblumen dekoriert
und auf der anderen Seite mit Hühnerfedern besetzt ist.
Der Schnalzer bzw. Rösslreiter geht dem Zug voran. Der Vorteufel mit einer Mistgabel ausgerüstet geht hinter den Rösslreitern und macht den Weg frei für den Zug. Der Zug wird dann vom Glockenträger angeführt. Er kündigt mit seinem Läuten das Herannahen der Perchten an. Der Glockenträger gehört zu den Lärmperchten, der durch sein Läuten das Frühjahr aufwecken soll.
Dann folgen die schönen Tafelkappen. Die Kappenträger tragen einen Salzburger Anzug mit goldenen Quasten und Kordeln an Schulter und Rücken. Alle tragen sie einen Säbel und weiße Handschuhe. Die Kappen sind an Familien gebunden und werden in mühevoller Kleinarbeit immer wieder abgeändert und neu aufgekranzt.
An weiteren Figuren finden sich König Herodes mit Frau. Sie verkörpern das
Aburteilen von Ständen (Weinpantschen bei Wirten, Milchwässern etc.).
Fanfarenbläser und 4 Soldaten begleiten König Herodes.
Erstmals waren 1998 beim Perchtenlauf auch die Heiligen 3 Könige mit Sternträger beteiligt.
Die Bären verkörpern die Macht des Winters und der bösen Elemente,
die von den Treibern unter Kontrolle gehalten werden.
Das Schleiferweibl, welche mit lustigen Sprüchen versucht als Messer- und Scherenschleiferin
ihre Dienste anzubieten. Sie zählt zu den glücksbringenden Figuren;
ebenso das Schleifermandl, die Hanswurste als Fruchtbarkeitsbringer
und das Werchmandel (Werch = Baumflechten), welches symbolhaft für die Arbeit der Bauern im Wald steht.
Die Hexe, schön oder schiach (hässlich) symbolisiert die Zwiespältigkeit der
Perchten. An der Spitze des Zuges macht sie mit ihren Reisig-Besen Platz und bringt Leben in den Zug.
Die Schnabelperchten gibt es auch im Nachbartal Rauris und es ist möglicherweise zum Austausch dieser Figuren gekommen. Sie gelten als Ordnungsperchten und sehen in den Stuben nach, ob alles ordentlich sauber ist. Die Verfolgung von Jäger und Wilderer wird im Perchtenlauf realistisch dargestellt.
Die Habergeiß ist immer noch ein Kinderschreck. Die Gestalt wirkt abschreckend auf Kinder. Seit 1998 gibt es auch einen Habergeiß-Treiber und letztlich die allseits gut bekannten Schiachperchten - Krampusse, welche die Frau Perchta bzw. König Herodes im wilden Durcheinander begleiten.
Die Perchtenumzüge finden alle 4 Jahre zwischen dem Neujahrstag und dem 3-Königstag in den
Gemeinden Badgastein und Bad Hofgastein statt;
in Bad Gastein um 6.30 h und zwar immer am Sonntag vor dem Heiligen Dreikönigstag.
Der zweite Perchtenlauf wird am Heiligen Dreikönigstag abgehalten, wobei die
Strecke über Remsach nach Bad Hofgastein führt.
Die Teilnehmer haben pro Tag und Lauf eine Gehzeit von 9 bis 10 Stunden und eine Strecke von jeweils
14 bis 16 Kilometer zu bewältigen. Die Zusammenkunft der Perchtenläufer ist jeweils bei Dunkelheit in der
Früh. Es dürfen dabei nach altem Perchtenglauben keine Frauen mitwirken.
Die Gasteiner Perchten
von Horst Wierer und Werner Reinbacher
Verlag Franz Hochwarter
Es existiert auch eine eigene Homepage der Gasteiner Perchten
www.gasteinerperchten.com


Quellen: Die Informationen wurden überwiegend dem Buch: "Die Gasteiner Perchten" von Horst Wierer undWerner Reinbacher, 2001 und auszugsweise dem Buch: "Der Perchtenlauf in der Gastein" von Heinrich Zimburg, 1947 - entnommen.
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Brauchtum im Gasteinertal - Gasteiner Perchten
© 21.11.2005 by Anton Ernst Lafenthaler
ge-percht