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Wir etwa glaubt - Kirchtag gibt's überall und sei nichts besonderes - irrt. Kirchtag ist in Bad Hofgastein für das ganze Gasteinertal ein absolutes Ereignis. Kaum ein Hofgasteiner, der den Kirchtag nicht besucht und ist die Zeit noch so knapp - "einmal durchgehen" - heißt die Devise und viele gehen gleich morgens - "wenn's noch nicht so voll ist".
Die Zahl der "Standln" ist groß; über 150 gab es diesmal, Bierzapfsäulen und Grillstationen noch gar nicht mitgerechnet, denn getrunken wird am Kirchtag natürlich auch entsprechend freudig im Beisein von Brathendln, Würsteln und Grillfleisch. Musik spielt an allen möglichen Plätzen, eine überaus stimmungsvolle Atmosphäre . . .
Süßigkeiten vom Feinsten - vom Schokolade-Gebäck bis zum türkischen Honig, Schaumrollen, Kokosbusserl und nicht zuletzt gesponnenen Zucker (diesmal in Kübeln) - begehrt bei den Kindern, verpönt bei den Erwachsenen gibt es hier. Selbst hartnäckige Schaumrollen- und Kokosbusserlverweigerer werden am Kirchtag ganz schwach - niemand kann sich den Süßigkeiten wirklich entziehen . . .
Es scheint, das ganze Gasteinertal ist auf den Beinen, des Kirchtags wegen; und hat man sich vielleicht das ganze Jahr über nicht gesehen - am Kirchtag trifft man sich bestimmt und dabei Verwandte oder Freunde zu treffen bedeutet dann meist auch ein Geschenk zu bekommen, eine Schaumrolle, Spielzeug, einen kleinen Geldbetrag - aber zumindest ein Lebkuchenherz . . .
Spielsachen, Ringe, Ketten und Armreifen, Uhren, Porzellanfiguren, Puppen, Gewürze, Schirme, Messer, Werkzeug, Körbe, Hosen, Filzhüte, Unterwäsche, Socken und vieles mehr gibt es zu erstehen. Doch nicht zu vergessen die vielen Gesundheitswässerchen, sogar das Murmeltier ziert den Stand. Und dann noch die praktischen Haushaltsgeräte und die unvergleichlich hochwirksamen Putzmittel. Sie alle haben eine lautstarke Vertretung und die Produkt werden angeprießen als hätte man etwas im Leben versäumt, greift man nicht sofort zu. Zuallerletzt muss ein Lebkuchenherz her, denn der Kirchtag ist auch ein Tag des Schenkens und das mit Herz . . .
Vom Kirchtag in Bad Hofgastein berichten die "alten" Gasteiner: Es war für
Dienstboten, Knechte und Mägde ein Festtag, denn hier erstanden sie begehrte Kleidungsstücke und vieles andere mehr
und die Bauern erwarben für die ganze Familie aber auch für ihre Angestellten Arbeitskleidung,
Schuhe, Werkzeug, Gschirr und allerlei Dinge, die es sonst das Jahr über nicht zu kaufen gab . . .
Nur wenige Läden gab es damals im Gasteinertal und diese hatten nur eine kleine Auswahl des täglichen Bedarfs.
Bis zur Machtübernahme der Nationalsozialisten gab es den Kirchtag und war wie heute ein ersehntes wie großes und
freudiges Ereignis für die gesamte Bevölkerung.
Dann allerdings 1938 wurde der Kirchtag im Gasteinertal verboten, denn (hitlertreue) Geschäftsleute sahen hier eine
Konkurrenz, die sie nicht haben wollten. Nach Kriegsende war es dann wieder soweit, zur Freude aller -
Kirchtag war wieder im Gasteinertal und wie zuvor wurde er wieder im Markte Bad Hofgastein abgehalten . . .
Der Kirchtag in Bad Hofgastein findet wie auch anderswo seinen Ursprung in der Kirchweih der örtlichen Kirche, also der Liebfrauenkirche zu Hof. Wann die letzte Kirchweih stattfand und ob dies der 21. September war, konnte ich bisher leider nicht in Erfahrung bringen. Der Kirchtag als Jahrmarkt wurde aber bereits von Papst Gregor I. geduldet oder gar gefördert, denn es soll ihm gefallen haben, dass an den Weihtagen der Kirche und an den Geburtsfesten der Märtyrer und Heiligen Verkaufsstände und Lauben errichtet wurden. Luther hingegen war sehr gegen diese Kirchweihfeste, was aber die bäuerliche Welt nicht davon abhalten konnte, diesen gesellschaftlich wichtigen Markt aufzugeben.
Eine Kirchweihe findet immer dann statt, wenn eine neu erbaute oder renovierte Kirche als Gotteshaus dienen soll. Diese erfolgt meist durch einen Bischof bzw. Superindententen. Ob dieser Jahrmarkt in Bad Hofgastein nun "Kirchtag, Kirtag, kirta" oder anderswie genannt werden soll, ist unklar. Meines Wissens ist der übliche Name dafür "Kirchtag", was der ursprünglichen Bedeutung, nämlich die der Kirchweihe auch am nächsten kommt. Die unterschiedlichen Benennungen meinen auch immer dasselbe - einen seit dem 9. Jahrhundert bestehenden Jahrmarkt, verbunden mit dem Tag der Kirchweih der örtlichen Pfarrkirche.
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Ereignisse in Gastein - Kirchtag 2006
© 5.10.2006 by Anton Ernst Lafenthaler
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