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Geschichte Gasteins | ||
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Während der Erbauung des Tauerntunnels von 1901 bis 1909 fand Dipl. Ing. Karl Imhof Gelegenheit, das altbekannte Goldfeld im Bereich des Sonnblickmassivs in den Hohen Tauern zu studieren, was ihn letztlich dazu veranlasste, das 1907 eingestellte Unternehmen wieder zum Leben zu erwecken. Er entschloss sich, die Bergbautätigkeit im Gasteinertal wieder aufzunehmen und legte am Gewerkentag 1911 eine Denkschrift über den bisherigen Stand und den Fortgang der Schürftätigkeiten in den beiden Bergbaurevieren am Radhausberg und im Nassfeld bzw. in der Sieglitz-Pochkar-Erzwies vor. Zwei Stollen sollten gegen Westen vorgetrieben werden, nämlich vom Nassfeld aus der Siglitz-Unterbaustollen (später Imhof-Unterbaustollen) in 1625 m und der zwischen den beiden Pochkarseen gelegene Pochkar-Unterbaustollen in 1985 m Höhe. Weitere steil stehende Erzgänge sollte miterfasst werden. Die 2 km entfernten Stollen mit einem Höhenunterschied von 360 Meter sollten durch eine Verbindungsschacht verbunden werden. Innerhalb dieser Zone verlief eine große Zahl von SSW nach NNE verlaufende Klüfte bzw. Gänge mit Vererzungen. Darüber hinaus war ein Neuaufschluss der Erzgänge am Radhausberg, vom Hieronymusstollen aus, vorgesehen. Als Initiator des gesamten Montanunternehmens leitete in weiterer Folge Karl Imhof bis zum 30. Juni 1925 die Gewerkschaft Radhausberg mit dem Titel eines Direktors.
| Pochhart-(Pochkar-) Unterbaustollen - Bildgalerie - Projekt Karl Imhof am Bockhart | |||||
Im Zuge des Anschlages des Pochkar-Unterbaustollens wurde zum Betreiben der technischen Anlagen
im Jahre 1912/13 ein Wasserkraftwerk mit einer Leistung von ca. 32 PS errichtet.
Dabei wurde das Abflusswasser des Oberen Pochkarsees ausgenutzt.
Die Wasserfassung zeigte eine Schotterschleuse, einen Schlammabzug und einen Grob- und Feinrechen.
Vom Wasserschloss wurde das notwendige Betriebswasser durch eine 150 mm im Durchmesser große gusseiserne
Muffenrohrleitung 75 m tief über die Gefällstufe gegen den unteren Pochkarsee geleitet,
wo sich die Kraftzentrale befand. Das Gebäude war aus Bruchsteinen errichtet.
Im Maschinenraum gelangte eine Voith-Peltonturbine zur Aufstellung.
Die benötigte Betriebswassermenge benötigte 80 L/s mit einer Leistung von 48 PS.
Ein nachgeschalteter Gleichstromgenerator lieferte 30 kVA bei einer Spannung von 220 V.
Von hier führte eine Freileitung von 80 m Länge zum Berghaus des Pochkar-Unterbaustollen.
| Betriebsgebäude - Unterbaustollen am Bockhart - Kraftzentrale | |||||
Der Unterbaustollen am Bockhart wurde 1923 stillgelegt. Reste des Betriebsgebäudes sind nördlich des Mundloches
noch deutlich zu sehen, ebenso das Gemäuer des Kraftwerkes mit den Rohrleitungen
unterhalb des Betriebsgebäudes.
Anmerkung aus dem Buch Tauerngold (Fritz Gruber): Vom 15. bis Ende des 18. Jh. wird mit
der Bezeichnung "Hoher Bockhart" auf das Baukarl Bezug genommen.
Dem steht als geografischer Name das Bockharttal gegenüber.
Die Namensformen "Pochkar" und "Pochhart" sind Erfindungen des 19. Jh. und werden
in den Lageplänen der Stollen und Halden betreffend das Bockharttal verwendet.
| Grubenhunt, Montanmuseum | |
Die großzügig in Angriff genommen Vortriebs- und Abbauarbeiten mussten durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges infolge Rekrutierung mehrer Ingenieure und Belegschaftsmitglieder im August 1914 unterbrochen werden. 1915 konnte der Bergbaubetrieb mit den zahlreich zugeteilten russischen Gefangenen wieder aufgenommen werden, musste aber mit Ende des Ersten Weltkrieges 1918 vollständig stillgelegt werden. Bis dahin hatte der Imhof-Unterbaustollen eine Länge von 1890 m erreicht. Weitere Vortriebsarbeiten 1919/20 bis auf 2500 m konnten keine zusätzlichen Erzgänge aufschließen.
Neben den Aufschluss- und Abbauarbeiten wurde die Straße von Böckstein in das Nassfeld ausgebaut und
die Kesselfallbrücke (Russenbrücke) errichtet.
In den Jahren 1915/16 standen 150 - 200 italienische und einige serbische Kriegsgefangene
zunächst beim Straßenneubau in das Nassfeld und in weiterer Folge im Montanbereich im Imhof-Unterbaustollen
und bei Neubau der Erzaufbereitungsanlage im Nassfeld im Einsatz.
1916/17 kamen etliche russische Kriegsgefangene hinzu. 1918 standen noch 200 - 250 Kriegsgefangene in den Diensten
Im August 1938 wurde durch die Preußische Bergwerks- und Hütten AG mit dem weiteren Vortrieb des Imhof-Unterbaustollens und nacheinander der
Vortrieb im Bereich der Haupterzgänge des Geißler-, Dionys- und Kupelwieserganges in Angriff genommen.
Am 1. August 1944 kam dann aus Berlin der Befehl des Reichswirtschaftsministerium, den Betrieb einzustellen.
Der Imhof-Unterbaustollen wurde aber noch bis nach Kolm-Saigurn bei Rauris durchschlagen.
Im Jänner 1945 konnte der erste Mannschaftszug in Kolm-Saigurn bei Rauris in 1656 m Höhe erstmals den Stollen verlassen.
Insgesamt betrug der Stollenvortrieb des Imhof-Unterbaustollen 2745 m, die Querschläge kamen auf 2558 m,
Stollen im Bereich der Erzgänge kamen auf 6231 m.
Am 29. April 1947 wurde der Gewerkschaft Radhausberg die Bewilligung zur Durchfahrt von Touristen von Nassfeld nach Kolm-Saigurn und zurück mittels einer elektrischen Akkulokomotive und zwei Mannschaftswagen sowie den notwendigen Gepäckwagen erteilt. Die Weiterführung scheiterte aber an den finanziell aufwendigen Sicherheitsmaßnahmen. Die letzte Durchfahrt erfolgte 1951.
Im Jahre 1988 setzten seitens der Erzbergbau Radhausberg GmbH Bestrebungen ein,
den Durchfahrtsbetrieb für Touristen durch den Imhof-Unterbaustollen bei gleichzeitiger
Installierung eines Schaubergwerkbetriebes zu aktivieren. Zwischen Juli und Oktober 1992 und 1993 wurden
auch tatsächlich zwischen 3400 und 4000 Besucher befördert. Der provisorische
Durchfahrtsbetrieb musste aber neuerlich
mangels Wirtschaftlichkeit und unzureichender Sicherheitsmaßnahmen 1993 eingestellt werden.
Das Explorationsprojekt Siglitz-Bockhart-Erzwies im Jahre 2006 durch die australischen Firma WHL
(Erkundung der Teufenfortsetzung von im Imhof-Stollen aufgeschlossenen Erzgänge) scheiterte am Widerstand der
Eigentümer der Schurfrechte (Erzbergbau Radhausberg GesmbH in Böckstein, Gemeinde Badgastein und Bad Hofgastein)
aber auch durch Proteste aus der Bevölkerung.
Unter Berghauptmann Lürzer wurde noch im 18. Jh. auf 1400 m Höhe, ca. 300 m unterhalb des Hieronymusstollen, ein querschlägiger Stollen angelegt, der Aufklärung in der Verwerfungsfrage bringen sollte, aber nach 180 m eingestellt wurde.
Nach Karl Imhof sollte zunächst der Gold- und Silberbergbau am Radhausberg in Angriff genommen werden.
Die bestehende Straße zum Hieronymusberghaus wurde saniert und das
desolate Berghaus instandgesetzt.
Vorgesehen war der Stollenvortrieb im Hieronymusstollen in 1920 m, mit dem Versuch,
die durch eine Fäule abgeschnittenen Radhausberger Hauptgang auszurichten.
Der Stollenvortrieb erfolgte zu Betriebsbeginn 1907 allgemein mittels Handarbeit und wurde schließlich
1910 durch den wesentlich rationelleren und kostensparenden maschinellen Stollenvortrieb ersetzt.
Nachdem der Stollenvortrieb im Hieronymusstollen keine Erfolg brachte, wurde bei Stollenmeter 1258
am Zusammentreffen der Hauptfäule im rechten Winkel zur
Stollenachse ein Querschlag, der Kreuzkogelquerschlag nach Osten getrieben. Bei 188 Meter
wurde unerwartet eine Fäule, genannte die Martinfäule und bei 422 Meter eine weitere angetroffen.
Nach diesen erfolglosen Aufschlussarbeiten wurde 1911 der Hieronymusstollen ab 1260 Meter gewältigt
und bis 2080 Meter Stollenlänge vorgetrieben. Er sollte in das Weißenbachtal münden.
Auch ein Querschlag im Sigismundstollen gegen Südosten, um den Kniebeißgang zu erreichen,
der als Fortsetzung des Radhausberger Haupterzganges in Betracht kam, war erfolglos.
Im Jahre 1916/1917 zerstörte eine vom Radhausberg abgegangene Lawine einen Teil des Hieronymusberghauses und die Erzaufbereitungsanlage. Die Aufschlussarbeiten im Bereich des Hieronymusstollens am Radhausberg wurden zunächst eingeschränkt, dann 1924 eingestellt. Das Projekt Karl Imhofs war zumindest am Radhausberg gescheitert.
Die Preußische Hütten AG versuchte nun, die bereits durch Karl Imhof und durch den Bergbaubetriebsleiter und Markscheider Ing. Karl Zschocke gewonnen Erkenntnisse bzgl. der Frage, in welche Richtung denn nun die Fortsetzung der Erzgänge in die Tiefe zu suchen seien, die verschobene Fortsetzung der einstmals berühmten Erzgänge am Radhausberg zu finden. Um die Tiefenfortsetzung der Radhausberger Gänge zu klären, wurde in 1280 m Höhe in der Asten im Nassfeld, 600 m tiefer als die Erzabbaue des Hieronymusstollens, der Radhausberg-Unterbau oder Paselstollen angeschlagen, unter der Leitung von Bergrat Dipl. Ing. Dr. Pasel. Dieser erreichte bei geradlinigem Vortrieb nach Südost eine Gesamtlänge von 2452 m. Bei Stollenmeter 1708 und 1883 wurden mehrer Klüfte gequert. Bauwürdige Erze wurden aber nicht angetroffen.
Beim Stollenvortrieb der Hauptstrecke stellte sich eine ungewöhnliche hohe und dabei sprunghafte Zunahme und dann wieder eine Abnahme der Gesteinstemperatur ein. Die Temperatur stieg ab Stollenmeter 1240, wo die erste größere Gangkluft angefahren wurde, zuerst langsam, dann zwischen Stollenmeter 1520 und 1670 rasch an. Die höchsten Gesteinstemperaturen wurden zwischen Stollenmeter 1635 und 1888 mit 44°C, besonders am Ende des südlichen Kluftauslängens mit 45°C gemessen. Bereits beim Stollenvortrieb zeigten die Belegschaft eine auffallend geringe Anfälligkeit für Verkühlungen und rheumatischen Erkrankungen, die im Beruf des Bergarbeiters häufig auftreten. Noch 1944 konnte durch das Radiuminstitut in Wien eine darin enthaltene, überdurchschnittliche hohe Radiumemanation bzw. Konzentration an Radon festgestellt werden, die größer war als in den Quellstollen der Gasteiner Therme. Mangels kriegswirtschaftlichen Interesses folgten keine weiteren wissenschaftlichen Untersuchungen.
Insgesamt wurden 4644 m Stollen, Schächte und Aufbrüche vorgetrieben und insgesamt 33.000 Kubikmeter Hohlraum ausgesprengt. Die Belegschaft zwischen 1940 - 1944 umfasste 30 Arbeiter und vorwiegend sowjetische Kriegsgefangene, insgesamt bis 53 Mann.
Der Radhausberg-Unterbaustollen brachte durch die Tatsache, dass keine bauwürdigen Erzgänge erschlossen werden konnten eine große Enttäuschung. Der Betrieb wurde 1944 eingestellt. Die Betriebsanlagen, Baracken etc. wurden verkauft. Der Kraftanschluss und die Lokomotive samt Ladestation blieben. Am 5. November 1945 wurde das Montanunternehmen seitens der US-Militärregierung unter Verwaltung der amerikanischen Vermögenskontrolle gestellt.
| Paselstollen, Grubenlokomotive | |
| Im - Doku-Archiv - siehe weiter:
- 16. Jh. - Bergordnungen und Pachtverträge - Oberbergrat - Dipl. Ing. Dr. Karl Imhof - Siglitz- und Pochkar-Unterbaustollen - Gründung der ersten - Gewerkschaft Radhausberg - 1866 |


Quellen: "Das Buch vom Tauerngold" von Paar/Günther/Gruber, 2006 - insbesondere das Kapitel: Edelmetallbergbau in Salzburg von Wilhelm Günther.
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Geschichte Gasteins - Bergbau
© 12.3.2008 by Anton Ernst Lafenthaler
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