Suchfunktion Home Inhaltsverzeichnis Dokumentation, Gasteinertal
D - Gasteinertal/Dokumentation: Geschichte/Ärzte im Wildbad Gastein - Dr. Gustav Pröll
Gasteinertal, Dokumentation Themenwahl
Doku-Archiv
  • Ärzte in Gastein
  • Bader in Gastein
  • Trinkkur - Artikel

  • Doku - Themen . . .
  • Geschichte - . . .
  • Dokumentation . Gasteinertal

    Ärzte im Wildbad

    Dr. Gustav Pröll

    Das Namensverzeichnis der berühmten Fotografie, wo Kaiser Wilhelm I. vom Kaiser Franz Josef am 10. August 1886 vor dem Badeschloss verabschiedet wird, enthält u. a. die Namen Dr. Gustav Pröll und Arthur Pröll (10-jähriger Sohn). Dipl. Ing. Otto Franzius, Urenkel des berühmten Badearztes Dr. Gustav Pröll berichtet über seinen Urgroßvater, er habe nicht nur viele Berühmtheiten ärztlich behandelt, sondern auch intensiv die Wirkung der Thermalquellen und anderer Quellen im Gasteiner Tal mit wissenschaftlichen, chemischen und physikalischen Untersuchungen intensiv erforscht. Auch sei er weit gereist, sprach 12 Fremdsprachen und erkannte sehr frühzeitig die große Bedeutung des Gasteiner Wassers als Heilmittel bei Bade- und Trinkkuren. Zahlreichen deutsche, französische und englische Veröffentlichungen machten ihn weit über die Grenzen Österreichs international bekannt. Nachfolgend ein fragmentarischer Rückblick aus den noch verbliebenen Quellen wie der "Zeitschrift des kais. kön. Gesellschaft d. Ärzte zu Wien", 1852 - "Archiv für Balneologie", Bd. I., 1862 - "Bad Gasteiner Badeblatt" Nr. 13, 1955 - Nr. 8, 1959 und Nr. 11, 1956.

    » Die Zeit vor dem Wirken im Wildbad Gastein «
    Zimburg schreibt im Badgasteiner Badeblatt vom 15. Juni 1955 (ungekürzter Textauszug): "Dr. Gustav Pröll erblickte am 17. August 1817, als Sohn des Pflegers Matthias Pröll und seiner Gattin Aloisia, geb. von Wöss, zu Groß-Pöchlarn in Niederösterreich das Licht der Welt. Gustav hatte elf Brüder und zwei Schwestern. Er absolvierte das Gymnasium in Wien und später in Kremsmünster. Da sein Vater 1829 gestorben war, musste sich der junge Gustav sein Studiengeld durch Stundengeben verdienen. Am 17. April 1841 promovierte er in Wien zum Doktor der Medizin. Nachdem der junge Arzt zwei ein halb Jahre in Wien als Assistent gewirkt hatte, wurde er im Jahre 1844 gebeten, den schwer erziehbaren Sohn der Herzogin von Visconti, den Marquis d'Anguisola, nach Paris zu begleiten und dort dessen Studien zu überwachen. Der junge Mann hatte stets Verbindung mit italienischen Verschwörern und Dr. Pröll, der dies verhindern sollte, hatte ein halbes Jahr lang schwerste Plage mit diesem störrischen jungen Menschen. Dann übernahm er die Stellung eines Erziehers beim Grafen Harrach mit dessen beiden Söhnen er Reisen durch Deutschland, nach Paris und London durchführte. In den Jahren 1847 bis 1849 weilte er mit seinen beiden Schützlingen in Griechenland, von wo aus er auch die Türkei besuchte."

    Villa Hollandia

    » Dr. Pröll kommt 1851 nach Bad Gastein «
    Im Frühjahr 1851 ließ sich Dr. Pröll über Anraten eines Freundes als Badearzt in Bad Gastein nieder, wo er während des Sommers bis zum Jahre 1895 seine Praxis ausübte. Anfangs ordinierte Dr. Pröll im Lainerhaus, später adaptierte er das Dunstbad und errichtete dort seine Ordination, die er im Jahre 1889 Dr. Schieder überließ, während er in der neuerbauten "Expositur" ordinierte. Schon im Jahre 1862 konnte Dr. Pröll sich den Rohbau des von Schneidermeister Waha erbauten Hauses kaufen, baute dasselbe aus und erwarb vom Besitzer des Cafe Belleveu, Herrn Danzl, einige Gartengrundstücke dazu. Er nannte das Haus nach seiner holländischen Braut, der Pastorstochter Theodora Adriani, "Gottesgabe", änderte aber sehr bald den Namen in "Villa Hollandia". Dr. Pröll konnte aber erst 1871 seine Braut heiraten, da die Mutter der Braut erst am Sterbebett die Einwilligung zur Heirat ihrer Tochter gab, da Gustav Pröll Katholike war. Im Jahre 1876 wurde ihm sein einziger Sohn Arthur geboren.

    » Dr. Pröll und die Bedeutung des Gasteiner Wassers zur Trinkkur «
    Schon 1852, also kurz nach seiner Niederlassung in Gastein, berichtet er in der "Zeitschrift der kaiserlich, königlichen Gesellschaft der Ärzte" über die damals noch wenig bekannte Bedeutung der Gasteiner Thermalwasser auch für Trinkkuren. Dr. Pröll schreibt in der Zeitschrift der kais. kön. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, Neunter Jahrgang, erster Band, 1853:
    "Man trinkt auch das Thermalwasser, jedoch höchst selten, um eine besondere Kur damit zu machen, sondern bloß zur Beihilfe in allen jenen Fällen, wo Wassertrinken überhaupt angezeigt ist, besonders da es selbst bei einer Temperatur von 36° nicht nur nicht ekelerregend, wie gewöhnliches warmes Wasser, sondern sogar erquickend ist. Die physiologische Wirkung des warmen Thermalwassers ist bei den Meisten – eine verstopfende; die das ganz abgekühlte (an der Luft nämlich) – dagegen meistens leicht eröffnend; welche letztere Wirkung daher ein Purgiermittel oder auflösendes Mineralwasser entbehrlich macht, die sonst wegen der stark verstopfenden Wirkung der Bäder in der ersten Hälfte der Badekur oft notwendig werden. Eine Ausnahme hiervon fand ich nur bei alten, anämischen Individuen oder auch bei sehr schwachen Jugendlichen – bei denen das warme Thermalwasser als sanftes Auflösungsmittel wirkte. Sonst könnte ich bisher wenig hinlänglich bestätigte Erfahrungen über die Wirkungen des getrunkenen Thermalwassers machen."
    Bericht über die Bade-Saison 1852 zu Bad Gastein von Dr. Gustav Pröll - prov. k. k. Badearzt zu Wildbad-Gastein.
    Im Jahre 1862 veröffentlicht Dr. Gustav Pröll einen Artikel in der Zeitschrift - Archiv für Balneologie - zur Trinkkur in Gastein . . .

    » Wissenschaftliche Arbeiten und Veröffentlichungen «
    Dr. Pröll war wissenschaftlich sehr interessiert und machte zahlreiche chemisch-physikalische Versuche mit dem Gasteiner Thermalwasser. Er erkannte seine besonderen elektrischen Verhältnisse und seine Versuche mit der Magnetnadel gelangten zu einer weit über Gastein hinaus verbreiteten Berühmtheit. Es ist selbstverständlich, dass dieser hochgebildete Arzt und Wissenschaftler seine Erfahrungen mit der Gasteiner Therme der Nachwelt überlieferte. So erschien 1862 sein erstes Buch über "Gastein, Erfahrungen und Studien", welches 1873 und 1881 neu aufgelegt wurde 1865 gab er einen französischen Führer von Gastein unter dem Titel "Gastein, Station Thermale & Climatique d'Été, 1865" heraus, dem ein englischer Führer unter dem Titel "Gastein, its springs an climate" folgte, dessen 3. Auflage 1877 erschien. Dr. Pröll war der erste Gasteiner Arzt, der sich sehr für die Versendung des Gasteiner Thermalwassers für Trinkkuren einsetzte und er gab 1873 eine diesbezügliche Schrift unter dem Titel "Über den Gebrauch des versendeten Gasteiner Heilwassers" heraus. Diese Schrift erlebte im Jahre 1887 die achte Auflage, ein Zeichen, welche Bedeutung damals das Versandheilwasser hatte. Pröll beschäftigt sich auch mit meteorologischen Aufzeichnungen, welche er in der Landeskunde in Salzburg veröffentlichte.

    » Gustav und Arthur Pröll Symbol der evangelischen Gemeinde «
    Im Jahre 1867 hatten einige ständige Kurgäste in vornehmen Kreise den Plan gefasst, in Badgastein ein evangelisches Gotteshaus zu schaffen. Als einziger Österreicher beteiligte sich der erste Kurarzt von Badgastein, Dr. Pröll, an der Sammlung. Durch dessen Frau - eine Holländerin - wurde der Grundstock zur ersten evangelischen Familie in Badgastein gelegt. Die holländische evangelische Dominestochter (Theodora, geb. Adriani, Tochter des Pastors Adriani zu Rotterdam, aus alter holländischer Pastorfamilie) heiratete den katholischen Gasteiner Badearzt Dr. Gustav Pröll. Nach dem Tode seiner Gattin war Fräulein Grete Höhne, die Tochter eines Pfarrers aus der Nähe von Leipzig, die Hausdame des Arztes und hingebende Ziehmutter der Kinder. Der Sohn Arthur Pröll und Gattin, die Superintendententochter Hedwig, geb. Siedel aus Dresden wurde Symbol der evangelischen Gemeinde. Arthur Pröll war der erste Täufling in der Kirche. Sein Geburtshaus die Villa Hollandia (erbaut 1856) hat sich fast unverändert bis heute erhalten.

    » Eintrag im 9. Band der Gasteiner Ehrenbücher «
    Im Badgasteiner Badeblatt vom 6. Juni 1956, Jahrgang XVI wurde Professor Dr. Ing. Arthur Pröll zum 80. Geburtstag mit einem Artikel gewürdigt, worin der Eintrag im 9. Band der Gasteiner Ehrenbücher zitiert wird: "Arthur Pröll, 5.6.1876 - erhielt und vertrug sehr gut die ersten drei Tage seines Lebens statt Muttermilch bloß warmes Thermalwasser."
    Dieser Eintrag stammt von Dr. Gustav Pröll, dem glücklichen Vater unseres Jubilars, der seit 1851 Kur- und Badearzt in Wildbad Gastein ist.

    » Dr. Pröll wirkte auch in Nizza und Meran «
    Wie so viele dieser Ärzte dieser Zeit, übte Dr. Gustav Pröll während der Wintermonate seine Praxis im Süden aus und zwar von 1858 – 1886 in Nizza. In diesem Jahr kam sein Sohn Arthur ins Gymnasium, weshalb Dr. Pröll seine Winterordination nach Meran verlegte.

    » Dr. Pröll und seine Patienten «
    Dr. Gustav Pröll war ein weit gereister, außerordentlich vielseitiger, gebildeter, wissenschaftlich interessierter und sprachkundiger Arzt, der immer ein offenes Haus für seine Patienten führte, unter welchen sich bekannte Gelehrte, Künstler, Politiker, Aristokraten, ja sogar Monarchen befanden. Es seien hier nur einige erwähnt: Fürstin Bismarck, Feldmarschall Fürst Windischgractz (nach dem die Windischkrätzhöhe benannt ist), dann Friedrich Schillers Tochter Gräfin von Gleichen-Rußwurm, Graf Blome, der Partner Bismarcks beim Gasteiner Vertrag. Don Pedro II., Kaiser von Brasilien zählte ebenso zu Prölls Patienten wie die Erzherzogin Marie Valerie und ihre Mutter, die Kaiserin Elisabeth, welche Dr. Pröll oft in der Villa Hollandia, zwecks Konsultation aufsuchte. Wegen seiner Sprachkenntnis wurde Dr. Pröll, insbesondere von den ausländischen Gästen zu Rate gezogen und oft treffen wir seinen Namen in der Memoirenliteratur der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts. Insbesondere findet sein Name Erwähnung bei Schilderungen aus der Zeit der Gasteiner Besuche durch Kaiser Wilhelm I. Pröll war ein eifriger Förderer der evangelischen Kirche und sein Sohn Arthur, wurde als erstes evangelisches Kind en der neu errichteten Gasteiner Evangelischen Kirche von Hofprediger Emil Frommel getauft.
    In Gastein war die Straßenbeleuchtung nicht weiträumig ausgebaut, so empfahl Dr. Pröll seinen Patienten, für den Fall, dass sie während der Nacht seiner bedürften, eine brennende Kerze ins Fenster zu stellen. Dieses Lichtsignal sah Pröll von seiner allen anderen Häuser überragenden Villa Hollandia und eilte dann zu jeder Nachstunde zu seinen Patienten, die "ihren" Dr. Pröll wegen seiner Hilfsbereitschaft liebten und verehrten.

    » Dr. Pröll und die Homöopathie «
    Dr. Pröll war wenige Jahre nach seiner Promotion in Wien (1841) zu einem eifrigen Anhänger der Homöopathie geworden und hat bei Dr. Schwabe in Leibzig eingehend die Lehren Hahnemann's sich zu eigen gemacht. Da in der zweiten Hälfte des vorigen Jahrhunderts die homöopathische Therapie sehr viel begeisterte Anhänger – besonders in hochgestellten Kreisen Englands, Frankreich und Amerikas hatte – kamen sowohl in Gastein, wie auch während seiner Winterpraxis (Nizza, später Meran) viele Patienten aus diesen Ländern zu Dr. Pröll; aber auch in Gastein behandelte er neben der in erster Linie angewendeten Badekur seine Patienten homöopathisch.

    Evian-Quelle

    » Errichtung einer Kaltwasser-Kuranstalt und die Evian-Quelle «
    Auch die Errichtung einer Kaltwasser-Kuranstalt in Böckstein, die nach Auflassung des Böcksteiner Goldbergwerkes im Jahre 1864 besonders aktuell wurde, war Prölls Werk, geradeso, wie er die besondere Güte des Trinkwassers in der Löwengrube in der Haslau zu beginn des Nassfeldertales entdeckte, deren Wirkung er mit der Evian-Quelle in Frankreich verglich, weshalb man ihr den Namen "Österreichische Evian-Quelle" gab. Seine Wasseranalysen dort zeigten, dass das Wasser dieser Quelle fast genau der berühmten Evian-Quelle am Genfer See entspricht. Im Garten des heutigen Alpenhauses "Evianquelle" steht ein Brunnenstein mit eingemeißelter Inschrift, die auch heute noch auf seine Entdeckung hinweist.

    » Dr. Pröll verlässt das Wildbad Gastein «
    Als sein Sohn Arthur im Jahre 1894 an die Hochschule kam, übersiedelte Dr. Pröll im Winter von Meran nach Graz. 1895 verbrachte Pröll den letzten Sommer in Gastein. Dann verließ er Gastein und reiste nach Graz, von wo er zweimal von alten Patienten nach Meran und Arco gerufen wurde. Nach Rückkehr von der zweiten Reise, am 29. November, erkrankte er an einer akuten Lungenentzündung, welche ihn am 5. Dezember 1895 das Ende seines Lebens brachte. Er wurde am St. Petersfriedhof zu Graz beerdigt. Das Grab seines Sohnes Univ.Prof Dr. Ing. Arthur Pröll findet sich am Friedhof in Bad Gastein bzw. Badbruck, gemeinsam mit Hedwig Pröll, Hans-Jörg Pröll (Sohn des Arthur Pröll) und Gerda L. Pröll, geb. Heusing.

    Grab, Bad Gastein

    » Auszeichnungen und Würdigung «
    Kaiser Franz Joseph zeichnete ihn mit dem österreichischen Kronen Orden III. Kl., Don Pedro, Kaiser von Brasilien mit dem Orden von der Rose aus. Die Gemeinde Bad Gastein anerkannte am 7. Feber 1880 das langjährige, außerordentlich verdienstvolle Wirken Dr. Prölls durch die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes.
    Im Badgasteiner Badeblatt vom 15. Juni 1955 würdigt Kurdirektor Heinrich Zimburg Dr. Pröll im Artikel "Gasteiner Badeärzte in früherer Zeit (bis 1918)", deren Text sich hier auszugsweise wiederfindet.

    Siehe auch den Artikel zur Trinkkur in Gastein im
    - Archiv für Balneologie -
    von Dr. Gustav Pröll.

    Quellen: Badgasteiner Badeblatt vom 6. Juni 1956 - Badgasteiner Badeblatt vom 15. Juni 1955 - Zeitschrift der kais. kön. Gesellschaft der Aerzte zu Wien, 1852 - Archiv für Balneologie, I. Band, I. Heft, 1862 - Buch: "Die Lutherischen in Gastein" von Ekkehart Lebouton - 1981.
    Die Textauszüge wurden hier überwiegend unverändert wiedergegeben.

    Dokumentation, Gastein

    Dokumentation : Themenwahl - Dokumentation, Themenwahl Home Inhaltsverzeichnis Doku-Archiv, Gasteinertal - Kultur : Badestuben


    Home Suche Inhaltsverzeichnis Wanderwege Geologie Animalia Plantae Ökologie Kunst & Kultur Bild-Archiv

    Gastein im Bild - Dokumentation
    Geschichte - Dr. Gustav Pröll
    © 1.5.2008 by Anton Ernst Lafenthaler
    dp-proell